Bei General Motors (GM) entwickelt und betreut das Team für Energiemodell- und Toolchain-Entwicklung alle Tools, mit denen GM-Ingenieure zentrale Fahrzeugleistungsmerkmale – darunter Reichweite, Kraftstoffeffizienz, Fahrqualität und Beschleunigung – vorhersagen, analysieren, entwickeln und validieren. Als Teil dieses Teams suchen wir ständig nach Möglichkeiten, die Energieanalyse bei GM durch Fahrzeugenergie-Modellierung und -Simulation voranzubringen.
GM-Ingenieure setzen bereits seit über 20 Jahren Tools zur Energiemodellierung ein. Wir haben diese Tools intern entwickelt, weil uns dieser Ansatz mehr Kontrolle, Geschwindigkeit, Flexibilität und Vertraulichkeit bietet, als sich ausschließlich auf kommerzielle Standardlösungen (Commercial Off-the-Shelf, COTS) zu verlassen. Obwohl die von uns entwickelten Tools immer leistungsfähiger und effizienter wurden, hatte die Zahl der Anwender dieser internen Lösungen zu sinken begonnen. Dieser Rückgang war auf mehrere Faktoren zurückzuführen, darunter veraltete Benutzeroberflächen, Schwierigkeiten bei der Integration der Tools in Software von Drittanbietern für die Co-Simulation sowie die eingeschränkte Zusammenarbeit mit Ingenieuren aus anderen Bereichen.
Um viele der langjährigen Herausforderungen unserer bisherigen Modellierungs- und Simulationstools anzugehen, haben wir VERDE (Vehicle Energy and Range Development Environment) entwickelt. VERDE wurde mit MATLAB® und Simulink® entwickelt und verfügt über eine moderne Benutzeroberfläche, die das Erlernen und die Nutzung beim Erstellen und Ausführen von Modellen erleichtert (Abbildung 1). VERDE unterstützt die Co-Simulation mit Tools von Drittanbietern, unter anderem für die Modellierung thermischer Eigenschaften, von Hochvoltbatterien sowie von Geräusch- und Schwingungsverhalten und Rauheit (Noise, Vibration, Harshness, NVH). Zudem ist VERDE sowohl präzise als auch skalierbar: Unsere Ingenieure führen damit groß angelegte Optimierungsstudien und statistische Versuchsplanungen (Design of Experiments, DOE) auf Hochleistungsrechenclustern (High-Performance Computing, HPC) durch. Dank seiner Flexibilität bei der Unterstützung konventioneller, hybrider, elektrischer und Brennstoffzellen-Antriebsstränge sowie der Fähigkeit, unterschiedlichste Anwendungsfälle effizienter zu gestalten – von einfacher Simulation, Datenvisualisierung und Berichterstellung bis hin zu anspruchsvolleren virtuellen Hardware-in-the-Loop-Simulationen und Driver-in-the-Loop-Tests in Echtzeit –, hat VERDE das Interesse verschiedenster Engineering-Teams geweckt. Dadurch ist die Zahl der Anwender im Vergleich zu unserer früheren Modellierungsumgebung um 40% gestiegen. Dieser Artikel gibt einen Überblick darüber, wie VERDE entwickelt wurde und wie es eingesetzt wird, um die Energieanalyse im gesamten Unternehmen voranzubringen.